
Anna Ressmann spielt eine zentrale Rolle im Wiener Frauen- und Mädchenfußball. Als Mitglied des Frauenausschuss des Wiener Fußballverband (WFV) und mit jahrelanger Erfahrung als aktive Spielerin, treibt sie die Entwicklung des Sports voran. Im Interview spricht sie über die aktuellen Herausforderungen, strukturellen Probleme und Zukunftsperspektiven des Frauen*fußballs in Wien.
Was genau macht der
Frauenausschuss im WFV?
Frage: Wie hoch ist aktuell der Frauenanteil aktiver Fußballer*innen in Österreich?
Anna Ressmann: Zahlen zeigen, dass nur knapp sieben Prozent der aktiven Fußballer*innen in Wien Frauen sind. Obwohl man meinen könnte, dass es mehr sind, haben wir ein strukturelles Problem aufgrund der Knappheit von Fußballplätzen. Vereine bevorzugen es oft, Plätze zu vermieten, um Einnahmen zu generieren, anstatt eine eigene Frauensektion oder ein Frauenteam zu gründen. Es gibt auch Plätze, auf denen Frauenteams nicht erwünscht sind.
Das heißt, das strukturelle Problem betrifft konkret den Frauen*fußball?
Ja, Wien verzeichnet gerade einmal um die 25 Frauenteams, im Vergleich zu Niederösterreich beispielsweise hinken wir deutlich hinterher. Der Frauen*fußball wird oft einfach nicht so angesehen oder von Vereinen als wichtig erachtet. Viele Vereine argumentieren mit Platzmangel für Mädchen- und Frauenteams, haben aber sehr wohl Platz für zehn Burschenteams und zwei Männerkampfmannschaften. Prinzipiell hätten sie also den Platz, müssten dafür aber eine Burschenmannschaft aufgeben, was finanziell unattraktiver ist.
Ist demnach überhaupt eine positive Entwicklung auszumachen?
Ja, es gibt definitiv positive Entwicklungen. Die Anzahl der angemeldeten Spielerinnen steigt, und im Frühjahr 2023 wurden die Wiener Mädchenligen gegründet, wodurch mehr Mädchen registriert wurden. Während also die Anzahl der Frauenteams stagniert, gibt es besonders bei den Mädchenteams einen Zuwachs.
Können Sie mehr zur Wiener Mädchenliga erzählen?
Die Wiener Mädchenliga wurde als Pilotversuch im Frühjahr 2023 gestartet. Wir hatten Schwierigkeiten, Freundschaftsspiele für unsere Mädchenteams zu organisieren, da es nur wenige Teams gab. Gegen Jungen zu spielen, war spielerisch wenig sinnvoll. Der Vorteil der Mädchenliga ist, man spielt wie bei den Burschen, aber zwei Jahrgänge darunter. Die Anzahl der Spieler*innen am Feld steigt ja mit dem Alter und so werden weniger Mädels benötigt, um ein Team stellen zu können. Gestartet sind wir mit 17 Teams, jetzt sind es rund 30 Teams, auch aus Niederösterreich. Die Nachfrage und das Potenzial sind jedenfalls da.
War die Gründung der
Mädchenliga herausfordernd?
Was erhofft man sich für die Zukunft des Mädchen- und Frauen*fußballs?
Wir erhoffen uns zwei Dinge: Erstens, je früher die Mädchen mit dem Fußballspielen anfangen, desto besser werden sie später, und so können wir eine breite Basis schaffen. Eine Spitze entwickelt sich oft aus der Breite. Je mehr Konkurrenz es gibt, desto spannender werden auch die Ligen. Zweitens wünschen wir uns, dass es generell mehr Teams gibt. Es gibt noch einige Vereine, die keine Frauenkampfmannschaft haben. Ich hoffe sehr, dass einige dieser Vereine in ein paar Jahren in den Ligenbetrieb der Frauen einsteigen und vielleicht auch neue Teams gegründet werden. So könnten die Vereine das Potenzial des Frauenfußballs erkennen und nutzen.
Gibt es Anreize für Vereine, Frauenteams zu gründen?
Es gibt Förderungen, aber die Vereine müssen selbst erkennen, dass der Frauenfußball viele Vorteile bringt. Es steckt viel Herzblut darin, und es ist weniger kommerziell als bei den Männern. Im Frauenausschuss arbeiten wir daran, mehr Förderungen zu schaffen und bei der Platzvergabe Akzente zu setzen.
Welche Maßnahmen würden die Entwicklung des Frauen*- und Mädchenfußballs unterstützen?
Eine große Verbesserung wäre, den Frauenfußball stets mitzudenken und mehr Zeit sowie Ressourcen zu investieren, da er noch Entwicklung braucht. Es sollte jemanden im Wiener Fußballverband (WFV) geben, der sich ausschließlich um den Frauenfußball kümmert. Ehrenamtlich ist das nicht zu bewältigen. Zudem sollten mehr Frauen in die Funktionärsebenen gebracht werden, um als Vorbilder sichtbar zu sein und Zeichen zu setzen. Es gibt genug kompetente Frauen, die diese Rollen übernehmen könnten.
Um den Frauen*- und Mädchenfußball nachhaltig zu fördern, wünscht sich Livia Sebestyén,
Trainerin der U14 Mädchen des FC Mariahilf, frühere Investitionen in die
Sichtbarmachung von Fußballangeboten für den Nachwuchs.
You can’t be what you can’t see!
Initiativen zur Sichtbarmachung von Frauen im Sport

Der Instagram Account Mädchen und Frauenfußball Plattform verschafft dem Frauen*- und Mädchenfußball im Osten Österreichs durch regelmäßige Postings mehr Sichtbarkeit.

exploristas – trau dich raus! ist eine Initiative zur Bestärkung von Frauen durch gemeinsame Outdoor Aktivitäten und dem Sichtbarmachen weiblicher Role Models im Sport.

Wir Frauen im Sport ist ein Verein für die Gleichstellung der Geschlechter im Sport, insbesondere durch die Platzierung von Speakerinnen zu Sportthemen.