Die enge Verbindung von Sport und Männlichkeit ist fest in der Gesellschaft verankert. Fußball galt lange als Paradebeispiel dafür, besonders zu Zeiten, in denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts vom Spielen ausgeschlossen waren. Veraltete Stereotype schlagen sich noch heute in der Sportart und deren medialer Abbildung nieder.
Der Fußball beherrscht die österreichische Medienlandschaft wie keine andere Sportart, etwa erreicht er fünfmal so viel Aufmerksamkeit wie Ski Alpin oder Tennis. Damit ist allerdings ausschließlich der Männerfußball gemeint. Denn der Frauen*fußball ist medial deutlich unterrepräsentiert. Ein Blick in die Geschichte hilft dabei zu verstehen, weshalb die Sportberichterstattung ihm auch heute noch wenig Anerkennung schenkt:
Der „andere“ Fußball
Stereotype über Weiblichkeit, wie die Vorstellung, dass Frauen körperlich nicht geeignet und emotional zu labil für den harten Wettbewerb seien, führten in der Geschichte des Sports zu Teilnahmebeschränkungen von Frauen. In den 1950er und 1960er Jahren wurde es Frauen in Österreich gänzlich verboten, Fußball zu spielen, da der Sport als ausschließlich männlich angesehen wurde. Obwohl solche Ansichten heute kaum mehr offen vertreten werden, beeinflussen sie noch immer die Wahrnehmung und Wertschätzung von Frauen*fußball.
Während der Männer*fußball in Österreich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts professionalisiert wurde, startete der Frauen*fußball erst rund 60 Jahre später in den Profibereich. Doch nicht mit den gleichen Bedingungen wie die Männer, sondern mit angepassten Regeln, die als für Frauen geeignet angesehen wurden. Beispielsweise mit einer verkürzten Spielzeit von 80 Minuten bei der ersten Frauen-Weltmeisterschaft. Funktionäre empfahlen außerdem, kleinere Bälle zu verwenden. Damit wurde der Fußball der Frauen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu einer scheinbar anderen Sportart geformt.
warum es ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle zwischen männlichen und weiblichen Profifußballer*innen gibt.
Die historisch bedingte Verzögerung führte zu einer langsamen Entwicklung der Sportart und mündete in einer Reihe von Hindernissen; etwa einem Mangel an Infrastruktur, Trainingsmöglichkeiten und Wettbewerbschancen. Heute noch bekommen Fußballer*innen die Konsequenzen ihrer historischen Benachteiligung zu spüren, etwa in Form einer Gender Pay Gap. Expert*innen sprechen davon, dass männliche Fußballprofis in der gleichen Liga oft 50- bis 200-mal höhere Gehälter als die Frauen erhalten. Die Einkommensschere wird umso deutlicher, je höher das Spielniveau in der Liga ist und spiegelt sich etwa in den Preisgeldern von Großturnieren wider.

Weniger Geld, weniger Sichtbarkeit
Durch die Verflechtung von Sport, Medien und Wirtschaft, geraten Fußballerinnen häufig in den medialen Schatten ihrer männlichen Kollegen. Da der Frauen*fußball in seiner Entwicklung hinter dem Männer*fußball liegt und weniger populär ist, ist auch das Interesse des Publikums noch im Aufbau und die finanzielle Unterstützung geringer. Damit bringt er den Medien weniger Reichweite und ist für deren Berichterstattung weniger lukrativ.
Dem Frauen*fußball wird von Redaktionen oft aus finanziellen Gründen eine geringere Wertigkeit zugeordnet. Dies zeigt sich, wenn im ORF Sport+ ein Spiel der 2. Bundesliga der Herren gezeigt wird, während zeitgleich die Frauen*-Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen England austrägt. Eine solche Entscheidung demonstriert, dass Männer*fußball von den Medien selbst dann als attraktiver für das Publikum angesehen wird, wenn der sportliche Bewerb der Frauen auf einem deutlich höheren Niveau stattfindet.
Wussten Sie außerdem, dass:
… während den Männern in der Coronazeit durch den ÖFB die Tests finanziert wurden, um ihren Trainingsbetrieb fortzusetzen,
mussten die Frauen aufgrund fehlender finanzieller Mittel weiter pausieren.
… laut Regelwerk es während eines Spiels der Männernationalmannschaft keinem anderen österreichischen Fußballteam gestattet ist, ein Spiel auszutragen – unabhängig von Liga oder Geschlecht.
Die Analyse zeigt, dass Fußballerinnen aufgrund ihrer Geschichte ungleiche Rahmenbedingungen vorfinden. Eine mangelnde mediale Sichtbarkeit in den Medien trägt dazu bei, dass verankerte Geschlechterrollen weitergetragen und die Karriereaussichten von Sportlerinnen beeinträchtigt werden. Denn je mehr Aufmerksamkeit sie in den Medien bekommen, desto größer sind ihre Chancen auf Sponsoringverträge. Diese finanzielle Unterstützung ermöglicht ihnen wiederum, auf höherem Niveau zu spielen, wo sie als Vorbilder junge Mädchen und Frauen inspirieren können.