Die Chroniken des Frauen*fußballs

Die enge Verbindung von Sport und Männlichkeit ist fest in der Gesellschaft verankert. Fußball galt lange als Paradebeispiel dafür, besonders zu Zeiten, in denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts vom Spielen ausgeschlossen waren. Veraltete Stereotype schlagen sich noch heute in der Sportart und deren medialer Abbildung nieder.

Der „andere“ Fußball

Stereotype über Weiblichkeit, wie die Vorstellung, dass Frauen körperlich nicht geeignet und emotional zu labil für den harten Wettbewerb seien, führten in der Geschichte des Sports zu Teilnahmebeschränkungen von Frauen. In den 1950er und 1960er Jahren wurde es Frauen in Österreich gänzlich verboten, Fußball zu spielen, da der Sport als ausschließlich männlich angesehen wurde. Obwohl solche Ansichten heute kaum mehr offen vertreten werden, beeinflussen sie noch immer die Wahrnehmung und Wertschätzung von Frauen*fußball.

Während der Männer*fußball in Österreich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts professionalisiert wurde, startete der Frauen*fußball erst rund 60 Jahre später in den Profibereich. Doch nicht mit den gleichen Bedingungen wie die Männer, sondern mit angepassten Regeln, die als für Frauen geeignet angesehen wurden. Beispielsweise mit einer verkürzten Spielzeit von 80 Minuten bei der ersten Frauen-Weltmeisterschaft. Funktionäre empfahlen außerdem, kleinere Bälle zu verwenden. Damit wurde der Fußball der Frauen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu einer scheinbar anderen Sportart geformt.

Nach der UEFA Women’s EURO 2022 geht Reporterin Hebe Campbell in diesem Beitrag der Frage nach,
warum es ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle zwischen männlichen und weiblichen Profifußballer*innen gibt.

Weniger Geld, weniger Sichtbarkeit

Durch die Verflechtung von Sport, Medien und Wirtschaft, geraten Fußballerinnen häufig in den medialen Schatten ihrer männlichen Kollegen. Da der Frauen*fußball in seiner Entwicklung hinter dem Männer*fußball liegt und weniger populär ist, ist auch das Interesse des Publikums noch im Aufbau und die finanzielle Unterstützung geringer. Damit bringt er den Medien weniger Reichweite und ist für deren Berichterstattung weniger lukrativ.

Dem Frauen*fußball wird von Redaktionen oft aus finanziellen Gründen eine geringere Wertigkeit zugeordnet. Dies zeigt sich, wenn im ORF Sport+ ein Spiel der 2. Bundesliga der Herren gezeigt wird, während zeitgleich die Frauen*-Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen England austrägt. Eine solche Entscheidung demonstriert, dass Männer*fußball von den Medien selbst dann als attraktiver für das Publikum angesehen wird, wenn der sportliche Bewerb der Frauen auf einem deutlich höheren Niveau stattfindet.


… während den Männern in der Coronazeit durch den ÖFB die Tests finanziert wurden, um ihren Trainingsbetrieb fortzusetzen,
mussten die Frauen aufgrund fehlender finanzieller Mittel weiter pausieren.


Die Analyse zeigt, dass Fußballerinnen aufgrund ihrer Geschichte ungleiche Rahmenbedingungen vorfinden. Eine mangelnde mediale Sichtbarkeit in den Medien trägt dazu bei, dass verankerte Geschlechterrollen weitergetragen und die Karriereaussichten von Sportlerinnen beeinträchtigt werden. Denn je mehr Aufmerksamkeit sie in den Medien bekommen, desto größer sind ihre Chancen auf Sponsoringverträge. Diese finanzielle Unterstützung ermöglicht ihnen wiederum, auf höherem Niveau zu spielen, wo sie als Vorbilder junge Mädchen und Frauen inspirieren können.