Sport ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, besonders der Fußball begeistert breite Massen. Zumindest, wenn vom Männer*fußball die Sprache ist. In den letzten Jahren gewinnt auch der Frauen*fußball an Beliebtheit, trotzdem wird er medial oft wenig beachtet oder klischeehaft dargestellt. Es stellt sich die Frage: Welches Spiel spielen die Medien? Und, wie wirkt es sich auf die Zukunft des Sports aus?
Sportler*innen leben von ihrer medialen Repräsentation, viele von ihnen sind auf die Vermarktung der eigenen Person mittels Medien angewiesen. Doch was passiert, wenn sie aufgrund ihres Geschlechts unsichtbar bleiben? In Österreich entfallen nur 16,9 Prozent der Sportberichte tagesaktueller Zeitungen auf Frauen im Sport. Maria Pernegger, Expertin der Medien- und Diskursanalyse, erklärt: „Die Sportberichterstattung in Österreich ist traditionell gewachsen und fokussiert sich auf wenige Sportarten, die männlich dominiert sind, wie Motorsport oder Fußball.“
Eine Vormachtstellung der Männer im Fußball wird zunehmend infrage gestellt, denn die Frauen erzielen mehr und mehr Erfolge am Spielfeld. Ein Beispiel ist die EM 2022, in der das Frauennationalteam es bis ins Viertelfinale schaffte. Ihre männlichen Kollegen verzeichnen das Erreichen des Achtelfinales in der EM 2021 als ihren größten Erfolg. Es bleibt also fraglich, welche Faktoren zu medialer Aufmerksamkeit führen, wenn es der sportliche Erfolg nicht ist.
„Du darfst als Frau nicht zu auffällig sein“
Neben einer geringen Sichtbarkeit von Frauen in der Sportberichterstattung ist auch wichtig, auf welche Art und Weise sie inszeniert werden. Die Medien tragen durch ihre Berichterstattung maßgeblich dazu bei, verankerte Rollenbilder von Frauen und Männern zu verstärken, so auch im Sport. Die Ergebnisse einer Studie von Pernegger im Jahr 2019/20 zeigen, dass Sportlerinnen 13-mal häufiger trivialisiert und achtmal häufiger sexualisiert dargestellt werden als Sportler. Generell steht bei Frauen häufig ihr Aussehen im Zentrum der Berichterstattung und dabei gelten strenge Anforderungen: Muskulös, aber bitte nicht zu maskulin!
– Maria Pernegger, Medienexpertin
(c) Susanne Einzenberger
Ein weiterer Grund für die unausgewogene Berichterstattung liegt in den Redaktionen, denn in den Sportressorts arbeiten größtenteils Männer. Der Frauenanteil liegt bei 9,52 Prozent, in einigen Redaktionen ist keine einzige Frau vertreten (Stand 2018). Das macht einen entscheidenden Unterschied auf die Ausgewogenheit der Themenauswahl. Zahlen belegen: „Journalisten berichten zu fast 10 Prozent über Frauen im Sport, während Journalistinnen dies zu fast 30 Prozent tun“, sagt Pernegger. Außerdem betont sie, dass für eine gerechtere Darstellung von Fußballerinnen in den Medien zunächst ein Umdenken und eine Sensibilisierung der Redaktionen nötig ist: „Es geht darum, Frauen im Sport abzubilden und sich dabei auch auf ihre Leistungen zu fokussieren.“
Ohne Sichtbarkeit kein Sponsoring
Eine fehlende oder marginalisierte Repräsentation kann nämlich weitreichende Folgen haben. Sind Sportlerinnen nicht sichtbar, ist es für die Wirtschaft uninteressant, Gelder in sie zu investieren. „Eine mediale Sichtbarkeit ist essenziell, um Erfolge vermarkten zu können. Ein Erfolg, der unsichtbar ist, ist für das Sponsoring schlicht nicht attraktiv“, sagt Pernegger. Ein entscheidender Punkt dabei seien die Sponsoren: „Die Macht der Sponsoren darf nicht unterschätzt werden. Wer gesponsert und wie diese Person inszeniert wird, ist nicht unwesentlich“.
„Ein Erfolg, der unsichtbar ist,
– Maria Pernegger, Medienexpertin
ist für das Sponsoring schlicht nicht attraktiv.“
Bühne, wem Bühne gebührt
Um den Erfolg des Frauen*fußballs voran zu treiben, ist es wichtig, ihnen eine Plattform zu bieten. „Erst wenn Frauen im Sport eine angemessene Bühne bekommen, können sie zeigen, was sie können“, sagt Pernegger. Medien haben ein enormes Potenzial, die gesellschaftliche Wahrnehmung einer Sportart zu formen. Werden die Großereignisse der Frauen also attraktiv aufbereitet, etwa durch Austragung in denselben beeindruckenden Spielstätten wie bei den Männern und samt spannendem Rahmenprogramm, steigt das mediale Interesse.
Die Verantwortung sieht Pernegger allerdings nicht allein bei den Medien, vielmehr können diese nur gemeinsam mit der Wirtschaft zum treiben Wandel werden: „Ich glaube, es ist eine unglaublich starke Mischung, wenn Medien etwas vorantreiben wollen und die Wirtschaft mit einem gewissen Druck dahinter steht“.
Mediale Sichtbarkeit macht den Unterschied
Für die langfristige Weiterentwicklung des Frauen*- und Mädchenfußball ist die Sichtbarkeit und Darstellung von Fußballerinnen einschneidend. Der Effekt von sichtbaren Vorbildern darf nicht unterschätzt werden, sagt Pernegger: „Was jemand anderer macht, ist für mich auch schaffbar. Denn es ist ein Weg, der schon beschritten wurde“.
über den Einfluss von medial sichtbaren weiblichen Role Models im Fußball.
Demnach ist es ausschlaggebend für die Zukunft des Mädchen- und Frauen*fußballs, mehr Frauen als Vorbilder in den Fußball zu bringen und sichtbar zu machen. Spielerinnen, die medial abgebildet werden. Weibliche Fans, die ihre Idole unterstützen. Trainerinnen, die zu Vorbildfunktionen für junge Mädchen werden. Funktionärinnen, die im Verband einen Wandel vorantreiben.
Das Interesse ist längst da
Die letzten Jahre haben gezeigt, was möglich ist, wenn Frauen zumindest bei Großereignissen die richtigen Rahmenbedingungen bekommen. Doch ausschlaggebend für einen nachhaltigen Erfolg ist auch das Publikumsinteresse. Denn ein gängiges Argument von Kritiker*innen ist, dass der Frauen*fußball keine Aufmerksamkeit bekomme, weil er schlichtweg niemanden interessiere. Das widerlegen die Besucherrekorde und Einschaltquoten der letzten EM und WM der Frauen.
Die UEFA prognostiziert dem Frauen*fußball eine Verdopplung der Fan-Basis bis 2033. Ein solch positiver Blick in die Zukunft untermalt das enorme Potenzial des Sports, das es noch auszuschöpfen gilt. Mit der richtigen Unterstützung von Medien und Wirtschaft könnte der Frauen*fußball also in einigen Jahren gleichwertig neben dem Männer*fußball stehen.